Piet Derksen (1913–1996), the founder of the Center Parc franchise, was not only one of the richest Dutch men but also a very devout Catholic. In 1980, he set up the Levend Water (Living Water) foundation, whose aim was to ‘spread the gospel in accordance with the teachings of the Roman Catholic Church and inspired by the Catholic community within and outside the Netherlands’. Through another foundation, named Getuigenis van Gods Liefde (Testimony of God’s Love), he was also involved in philanthropic activities. Derksen was a great admirer of Pope John Paul II, Mother Teresa and the American nun Mother Angelica, to whom he provided financial support for her staunchly conservative Eternal Word Television Network. ‘Lumen 2000 TV Magazine’, a programme funded by Derksen’s foundations, reported extensively on the projects he supported worldwide. In his found-footage video, Niklas Goldbach has compiled the beginnings of the various episodes so as to convey a sense of the global work of Derksen’s charity empire, which was destined to reach its peak in the year 2000.
Inke Arns, short text from the exhibition publication The Paradise Machine, HMKV Dortmund, 16.03.–01.09.2024
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Piet Derksen (1913–1996) war nicht nur einer der reichsten Niederländer und Gründer der Ferienpark-Kette Center Parcs sondern auch ein sehr gläubiger Katholik. 1980 gründete er die Stiftung Levend Water (Lebendiges Wasser), deren Ziel es war, „das Evangelium in Übereinstimmung mit der Lehre der römisch-katholischen Kirche und inspiriert von der katholischen Gemeinschaft innerhalb und außerhalb der Niederlande zu verbreiten". Über eine andere Stiftung – Getuigenis van Gods Liefde (Zeugnis von Gottes Liebe) – engagierte er sich im Bereich der Entwicklungshilfe. Derksen war ein großer Bewunderer von Papst Johannes Paul II., Mutter Teresa und der amerikanischen Mutter Angelica, die er bei der Gründung des streng konservativen Eternal Word Television Network finanziell unterstützte. Das von Derksens Stiftungen finanzierte „Lumen 2000 TV Magazin" berichtete über von Derksen unterstützte Projekte weltweit. Niklas Goldbach kompiliert in seinem Found-Footage-Video jeweils die Anfänge der Episoden, so dass man ein Gefühl für das globale wohltätige Wirken von Derksens Stiftungen bekommt. Im Jahr 2000 sollte dieses seinen Höhepunkt erreichen.
Inke Arns, Kurztext zur Ausstellungspublikation The Paradise Machine, HMKV Dortmund, 16.03.–01.09.2024
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[…] At the beginning of the 1980s, when Center Parcs evolved towards its current form, Derksen used the share capital of his booming and expanding company to establish the Stichting Levend Water Beheer (Living Water Management Foundation), which finances the activities of a second foundation, Getuigenis van Gods Liefde (Testimony of God's Love), through its share of the profits from the holiday parks. They were the launch pad for numerous other foundations and companies primarily dedicated to the mass-media dissemination of the teachings of far-right Catholic institutions with a clear missionary objective, specifically aimed at former European colonies and so-called developing and emerging countries, such as Lumen 2000 in Eindhoven or the Robert Schuman Institute of Journalism, founded in Brussels in 1989. The latter is close to Opus Dei. The capital of the mass-tourism-oriented Center Parcs was thus funnelled into the global mass-media propagation of ultra-conservative right-wing visions and interests. In this respect, the history of Center Parcs does not only mirror the continuities of European colonialism, but also of European fascism – and its entanglements with the Catholic Church […].
Iris Dressler, excerpt from Soft Cops, essay from the exhibition publication The Paradise Machine, HMKV Dortmund, 16.03.–01.09.2024
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[…] Zu Beginn der 1980er Jahre, als die Center Parcs ihr heutiges Profil erhalten, gründet Derksen unter anderem mit dem Aktienkapital seines boomenden und expandierenden Unternehmens die Stichting Levend Water Beheer (Stiftung Lebendiges Wasser Management), die über ihre Gewinne an den Feriendörfern die Aktivitäten einer zweiten Stiftung namens Getuigenis van Gods Liefde (Zeugnis der Liebe Gottes) finanzierte. Auf dieser Basis entstanden zahlreiche weitere Stiftungen und Unternehmen, die sich in erster Linie der modernen Verbreitung der Lehre einer extremen katholischen Rechten mit klarem missionarischem Auftrag insbesondere in Richtung ehemaliger europäischer Kolonien und sogenannter Entwicklungs- und Schwellenländer verschrieben haben, wie Lumen 2000 in Eindhoven oder das 1989 in Brüssel gegründete Robert Schuman Institute of Journalism. Letzteres steht dem Opus Dei nahe. Das Kapital der massentouristischen Center Parcs floss somit in die globale massenmediale Aufrüstung ultrakonservativer rechter Visionen und Interessen. Insofern schreiben sich in die Geschichte der Center Parcs nicht nur die Kontinuitäten des europäischen Kolonialismus, sondern auch des europäischen Faschismus – samt deren Verschränkungen mit der katholischen Kirche – ein […].
Iris Dressler, Auszug aus Soft Cops, Essay der Ausstellungspublikation The Paradise Machine, HMKV Dortmund, 16.03.–01.09.2024
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(...) Die komplexe Geschichte der Center Parcs eröffnet ein unheimliches Spannungsfeld von Architektur, Gesellschaft und Biopolitik, wie es Iris Dressler in ihrem Katalogbeitrag konzise beschreibt. Der wohlhabende Niederländer Piet Derksen (1913–1996) war Gründer der Ferienpark-Kette Center Parcs. Goldbachs Video Today on Lumen 2000 (2024), das aus Found Footage besteht, zeigt Derksens missionarischen Eifer im Dienste einer fundamentalen katholischen Rechten. Wie Dressler darlegt, „schreiben sich in die Geschichte der Center Parcs nicht nur die Kontinuitäten des europäischen Kolonialismus, sondern auch des europäischen Faschismus – samt deren Verschränkungen mit der katholischen Kirche – ein." Die Ausstellung im HMKV präsentiert die Heilsversprechen dieser gut geschmierten ideologischen Paradies Machine im Leerlauf und lässt so deren verdrängte historisch-materialistische Kehrseite in all ihrer brutalen Banalität sichtbar werden (...).
Thorsten Schneider, Auszug aus: Ausstellungsbesprechung Niklas Goldbach The Paradise Machine, HMKV Dortmund, KUNSTFORUM International, Vol. 297, August 2024
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(... )Ihr Interesse an der Architektur gilt ja immer auch den Narrativen dahinter.
Ja, denn Form und Idee der Center Parcs sind auch Ausdruck einer bestimmten Ideologie. Die Architektur zielt auf die Bedürfnisse der Kernfamilie und basiert auf konservativen Gesellschaftsbildern. Als Alleinreisender war ich da eigentlich fehl am Platz. Das Marketing-Prinzip ist: "When the children are happy, we are happy". Familienmenüs, die Badelandschaften, ständige Animation für die Kinder - das entlastet die Eltern, und das ist das Erfolgsmodell. Dabei ist dieser Urlaub nicht billig und er erfordert auch hohe Investitionen. Die Parks nutzen viel Fläche, brauchen viel Wasser, verbrauchen viele Ressourcen.
In „Today on Lumen 2000" gehen Sie diesen Investitionen nach.
Der Gründer der Anlagen, der Niederländer Piet Derksen, war ein gläubiger Katholik und hat sein Vermögen aus den Center Parcs in verschiedene Stiftungen investiert. Sie fördern Projekte, die der Verbreitung seiner Wertvorstellungen dienen. Über diese Projekte informierte die Stiftung in dem eigenen TV Magazin „Lumen 2000". Die frohe Botschaft wurde in 80 Länder gesendet – das war quasi Missionars-TV. Ich habe die Intro-Spots der TV-Serie zu einer eigenen Arbeit montiert, um klar zu machen, woher das Geld kommt und wohin es geht. Bewerten will ich das nicht.
Daniela Berglehn, Auszug aus: Künstler Niklas Goldbach über Ferienresorts – Der doppelte Boden im Paradies, Monopol Magazin, 03.04.2024